Wenn Frauen mehr Sex wollen

Sex ist längst keine reine Männerdomäne mehr, ganz im Gegenteil. Das Selbstbewußtsein der Frauen ist in den letzten 50 Jahren deutlich gestiegen und die holde Weiblichkeit weiß ganz genau, was sie von ihren Partnern und im Bett erwartet. Mehr Sex, aufregende Orte, abwechslungsreiches Spielzeug und aufregende neue Ideen machen dabei nur den Anfang und verlangen von den Männern wahre Höchstleistungen. Nicht selten kann der Druck auch schon mal zu viel werden und der Mann muß sich erst auf die neue Lust seiner Partnerin einstellen.

Was Frauen wollen…

Die Frauen von heute wissen genau was sie wollen und leben dies auch gerne aus. Am liebsten haben sie alles auf einmal. Einen tollen Job, eine liebevolle Familie, ein gefülltes Bankkonto und nicht zuletzt einen umwerfenden Partner, der sie auch im Schlafzimmer vollends zufrieden stellt. Soweit die Theorie. Die moderne Frau von heute zeigt stolz ihr neues Selbstbewußtsein und erwartet auch von ihrer Beziehung einiges –vor allem im Bett. Sogar einschlägige Männermagazine wie Men’s Health widmen sich zunehmend der Thematik, was Frauen wollen und wie Männer ihre Partnerinnen wirklich zufrieden stellen können. In Artikeln wie „Von diesen Seepraktiken träumt sie“ scheint es fast so, als seien Männer immer wieder auf dem Holzweg, wenn es um die Gelüste ihrer Frauen geht. Oder aber sie sind glattweg überfordert, wenn sich Frauen mehr Spontanität und Aufregung wünschen. Im oben genannten Artikel werden Frauen beschrieben, die sich nach Sex an außergewöhnlichen Orten sehnen, die Gefahr, dabei erwischt zu werden, steht dabei im Mittelpunkt. Der Beitrag suggeriert stark, daß die Frau genau wüßte, was sie im Bett haben wolle, der Mann sich jedoch genau überlegen solle, ob er damit überhaupt einverstanden sei. So zum Beispiel, wenn sie wie selbstverständlich die Digitalkamera zückt, um ein kleines Sex Video zu drehen, ihren Mann zu einem Dreier verführt oder gleich in einen Swinger Club schleppt. Ausgefallenes Sexspielzeug und immer neue Ideen scheinen das einzige zu sein, was eine Frau heutzutage noch wirklich anzumachen scheint. Kein Wunder, daß Männer immer häufiger die Flinte ins Korn werfen, bei all den Anforderungen. Doch eines sei bereits gesagt, ganz so schlimm wollen es auch Frauen nicht treiben.

Was Männer sollen…

Viel Ausdauer, lang anhaltende Manneskraft, Kreativität im Bett, ständige Bereitschaft und Wollust – das Bild des immer potenten Mannes ist so präsent wie nie und spätestens seit einschlägigen Filmformaten wie „Sex and the City“ oder „Fifty Shades of Grey“ sprechen Frauen direkt aus, was sie sich von ihrem Partner erhoffen – so zumindest suggerieren es die Medien und die Werbung. Wen wundert es da, daß immer mehr Männer zu Viagra und anderen Potenzmitteln greifen? Selbst junge Männer Anfang 20, die den Höhepunkt ihrer Sexualität noch nicht einmal erreicht haben, fühlen sich derart unter Zugzwang, daß sie lieber auf die kleinen blauen Pillen vertrauen, als sich einmal ernsthaft darüber Gedanken zu machen, ob es tatsächlich ihre Partnerin ist, die dieses Pensum verlangt oder aber die vermeintliche Gesellschaft.

Die Sache mit dem Druck

Sobald der Leistungsdruck einmal aufgebaut ist, fällt es vielen Männern schwer, dieser Spirale wieder zu entkommen. Ein Mann, der nicht kann, ist sowohl unter den Männern als auch im Angesicht der holden Weiblichkeit verpönt. Mit dieser Angst im Nacken fällt es schwer, sich jemandem anzuvertrauen. Insbesondere die Partnerin soll von dem Dilemma nichts mitbekommen. Der Teufelskreis beginnt. Während sich der Druck im Kopf immer weiter aufbaut, herrscht in der Hose Flaute. Daß viele Männer jetzt zum Potenzmittel greifen, liegt auf der Hand. Ihnen ist nicht bewußt, daß sie an keiner körperlichen Funktionsstörung leiden, sondern einfach nur unter Streß stehen. Viagra oder andere Potenzmittel sind also eigentlich nicht nötig. Doch allein das Bewußtsein, ihre Geschicke nun in die Hand der Pharmaindustrie zu legen, sorgt für die nötige Entspannung. Sie können sich voll und ganz auf die potenzsteigernden Mittel verlassen und schon läuft es im Schlafzimmer wieder rund. Des Übels Wurzel haben sie damit jedoch noch lange nicht gefunden und im schlimmsten Fall riskieren sie sogar ihre Gesundheit.

Sind Potenzmittel das neue Sexspielzeug?

In dem Bericht von Men’s Health wird eindeutig erklärt, worauf Frau so steht. Und sie ist dabei keinesfalls zimperlich. SM-Spiele mit Fesseln, Schlägen und andere Spielsachen scheinen zum täglichen Repertoire der weiblichen Lust zu gehören. Doch wie soll ein Mann das über Stunden durchhalten? Ein Rollenspiel kann durchaus seine Zeit dauern und immerhin will auch sie zu ihrem Höhepunkt kommen. Daher scheint es für viele unvermeidlich zu sein, auch Potenzmittel in das Liebesspiel zu integrieren. Tatsächlich war der Siegeszug des bekanntesten Potenzmittels der Welt wirklich ein Raketenstart. Viagra eroberte die Schlafzimmer im Sturm und so manches Sexleben auch nach Jahren der Abstinenz wieder neu belebt. Selbst Paare, die ihre Sexualität längst zu den Akten gelegt hatten, konnten dank der rautenförmigen Pillen endlich wieder aufatmen. Inzwischen gibt es neben Viagra auch zahlreiche weitere Anbieter für Potenzmittel, selbst kostengünstigere Generika ist auf dem Markt. Die Pharmaindustrie wird nicht müde, immer neue Ableger der luststeigernden Mittel auf den Markt zu bringen. Ob als Tablette, Pulver, Kaugummi oder flüssig in verschiedenen Geschmacksrichtungen – für jeden ist das richtige Mittel dabei. Viele Männer vergessen dabei jedoch schnell, daß es sich dabei nach wie vor um ein Medikament handelt. Ein Medikament, das auch Nebenwirkungen mit sich bringen kann. In vielen bunten Farben und Formen angebotene Mittelchen verdrängen Männer als auch Frauen sehr schnell, daß es sich hierbei um ernstzunehmende chemische Substanzen handelt. Statt also die Potenzmittel für noch besseren Sex wie Bonbons zu naschen, sollten sich die Betroffenen vorab immer genau überlegen, ob sie die Präparate tatsächlich brauchen und im Ernstfall stets ihren Arzt konsultieren.

Vor der Pille ab zum Arzt

Auch den Herstellern der Potenzmittel ist sehr an der Gesundheit ihrer Patienten gelegen. Deshalb empfehlen sie vor der Einnahme ihrer Präparate immer erst das klärende Gespräch mit einem Mediziner. Dieser kann zunächst einmal feststellen, ob überhaupt eine erektile Dysfunktion vorliegt oder aber der Betroffene einfach nur zu hohe Erwartungen an sein Sexleben hat. Zudem muß ausgeschlossen werden, ob es nicht andere gesundheitliche oder gar seelische Ursachen dafür gibt, warum es im Bett nicht mehr funktioniert. Zuletzt kann nur ein Arzt entscheiden, ob die Potenzmittel mit eventuellen anderen Medikamenten, die bereits eingenommen werden müssen, kompatibel sind, damit es nicht zu unerwünschten Wechselwirkungen kommen kann. Auch was die Wahl des Produktes und die richtige Dosierung betrifft, ist ein Arzt der beste Ansprechpartner. Auch die Überwachung der Medikation kann so zuverlässiger vonstattengehen, gerade dann, wenn es zu unliebsamen Nebenwirkungen kommen sollte, die Dosierung noch angepaßt werden muß oder ein passenderes Produkt ausgewählt werden soll.

Ein Gespräch unter vier Augen

Die Frauen von heute verlangen ihren Männern im Bett alles ab. Doch stimmt das überhaupt? Bevor Männer an der Welt verzweifeln und zu Potenzmitteln greifen, sollten sie sich vorab einmal mit ihrer Partnerin hinsetzen und genau nachfragen, was sie im Schlafzimmer wirklich wollen. Und dabei werden sie schnell feststellen, daß kaum eine Frau wirklich dieses Pensum haben möchte, geschweige denn braucht. Auch Frauen stehen unter dem medialen Druck, immer mehr beim Sex leisten zu können. Doch am Ende stehen ganz andere Qualitäten in einer Beziehung im Vordergrund. Zweisamkeit, Intimität, Vertrauen und Zärtlichkeit sollten nach wie vor nicht Unterschätzt werden und auch Kuschelsex sollte bei all den aufregenden Extras nicht zu voreilig aus dem gemeinsamen Schlafzimmer verbannt werden. Denn letzten Endes sind auch Frauen nur Menschen.

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