Die fünf häufigsten Fragen zum vorzeitigen Samenerguß

Der frühzeitige Samenerguß ist wohl ein Phänomen, das jedem Mann im Laufe seines Lebens einmal begegnet. Vor allem Pubertierende können ein Lied davon singen. In freudiger Erwartung auf die ersten Erfahrungen malt man sich die traumhaften Erlebnisse aus, die in greifbarer Zukunft liegen, nachdem die ersten Küsse getauscht und das erste Petting vollzogen wurde. Dann plötzlich ist es soweit, doch plötzlich ist auch ein gewisser Druck da. Wie geht es denn nun und hoffentlich folgt keine Blamage vor ihr. Überlegungen, die einem jungen Mann zu schaffen machen. Die Folge ist, daß entweder gar nichts geht oder der Samenerguß zu früh kommt und die schönste Nebensache der Welt zu früh unterbricht. In der Regel legt sich der vorzeitige Samenerguß mit den ersten Erfahrungen. Doch manchmal bleibt das Problem bestehen und führt bis ins Alter zu einem wenig befriedigenden Sexualleben. Wir klären die fünf wichtigsten Fragen zum vorzeitigen Samenerguß und erklären, was dagegen unternommen werden kann.

1. Wann spricht man von einem vorzeitigen Samenerguß?

Wann der Samenerguß ein vorzeitiger Samenerguß ist, kann natürlich nur schwer gesagt werden, da der Sexualakt individuell sehr unterschiedlich ist. So kann ein Quickie beispielsweise bereits nach wenigen Minuten vorbei sein und trotzdem für beide Beteiligten sehr befriedigend. Andererseits kann der Sexualakt auch eine Länge von einigen Stunden erreichen, wobei der Samenerguß nach 90 Minuten bereits als zu früh gelten kann, wenn das Schäferstündchen noch nicht vorbei war. Allerdings ist dies natürlich ein subjektives Urteil, derartige ausgedehnte Liebesspiele sind wohl eher selten und ein Samenerguß nach 90 Minuten Liebesspiel gilt wohl kaum als vorzeitig, auch wenn einer der Beteiligten es so empfinden mag.

2. Intravaginale Verweildauer zählt

Von einem vorzeitigen Samenerguß wird gesprochen, wenn der Zeitpunkt der Ejakulation vom Betroffenen nicht selbst gesteuert werden kann, mindestens einer der Beteiligten sich über eine längere Zeit regelmäßig eine längere Dauer des Geschlechtsverkehres wünschen und/oder mindestens ein Partner unter dem zu kurzen Liebesspiel leidet. Zahlreiche Faktoren wie etwa Stellung und Position, Stimmung oder Streß können die Dauer des Liebesspieles beeinflussen, so daß die Angabe einer genauen Zeitspanne vom ersten Eindringen des Penis in die Partnerin bis hin zum Samenerguß schwierig ist. Werden die genannten Faktoren bei der Berechnung vernachlässigt, so beträgt die intravaginale Verweildauer bis zum Samenerguß im europäischen Durchschnitt 5,4 Minuten, wie eine Studie herausfand. Der Dauer bis zum vorzeitigen Samenerguß liegt allerdings deutlich darunter. Von der „Ejaculatio praecox“ wird gesprochen, wenn der Samenerguß bereits erfolgt, bevor der Penis eingeführt werden kann oder wenn die intravaginale Verweildauer bis zum Samenerguß weniger als eine Minute beträgt.

3. Wie verbreitet ist der vorzeitige Samenerguß?

Bereits 1917 beschäftigte sich der Neurologe und Psychiater Karl Abraham mit dem Phänomen des vorzeitigen Samenergusses. Es sollte allerdings noch bis in die 1970er und 1980er Jahre dauern, bis das Phänomen stärker ins öffentliche Blickfeld rückte und wissenschaftlich untersucht wurde. Neuesten Studien zufolge ist der vorzeitige Samenerguß ein Phänomen, das nicht selten auftritt, im Gegenteil. Der vorzeitige Samenerguß ist sehr weit verbreitet und gilt heute als häufigste sexuelle Störung bei Männern unter 60 Jahren, die Prävalenz beträgt rund 30 Prozent. Eine allgemeingültige Angabe, wie viele Männer unter dem vorzeitigen Samenerguß leiden, kann nur schwer getroffen werden, da es voneinander abweichende Definitionen für die Ejaculatio praecox gibt. Je nach Aufbau der Studie und der nach verschiedenen Kriterien zuvor festgelegten Definition des vorzeitigen Samenergusses kommen Untersuchungen zu dem Schluß, daß zwischen 3 und 30 Prozent der Männer von einer Ejaculatio praecox betroffen sind. Eine im Jahr 2007 veröffentlichte internationale Studie kam zu dem Ergebnis, daß knapp 20 Prozent aller Männer an einem vorzeitigen Samenerguß leiden.

4. In welchem Alter tritt die Ejaculatio praecox zumeist auf?

Ein vorzeitiger Samenerguß wird zumeist mit jungen, pubertierenden Männern in Verbindung gebracht, deren Körper sich erst auf dem Weg zur vollständigen Geschlechtsreife befindet, dessen Hormone verrückt spielen und die noch keine oder nur wenige Erfahrung mit dem schönen Geschlecht gemacht haben. Daher sind sie in der Regel bei den ersten Malen sehr aufgeregt oder setzen sich unter Druck. Und diese Aufregung und der Druck führen eben dazu, daß sie zu früh kommen und die schönste Nebensache der Welt ein zu frühes Ende findet. Nach einigen Erfahrungen und mit den Jahren legt sich das Phänomen oftmals wieder. Doch die Ejaculatio praecox kann entgegen der landläufigen Meinung nicht nur bei jungen, heranwachsenden Männern auftreten, sondern in jedem Lebensalter. Betroffene, bei denen die vorzeitige Ejakulation mit dem Ende der Pubertät nicht ebenfalls ein Ende findet, trauen sich allerdings nicht, darüber zu reden. Die Schamgrenze, darüber zu sprechen, wenn Mann an einer Ejaculatio praecox leidet, ist sogar noch größer als bei einer erektilen Dysfunktion, ein Thema, das mit dem Aufkommen wirksamer Potenzmittel salonfähig geworden ist. Nur zehn Prozent aller Betroffenen trauen sich, einen Arzt aufzusuchen, teils auch, weil sie nicht wissen, daß der Arzt der richtige Ansprechpartner zur Lösung ihres Problems ist. Aus diesem Grund wird der vorzeitige Samenerguß in der Regel ausschließlich mit den jungen, pubertierenden Männern in Verbindung gebracht, weil die meisten das Phänomen auch nur in ihrer Jugendzeit bei sich selbst kennengelernt haben. Die Dunkelziffer der Betroffenen ist daher im öffentlichen Bewußtsein sehr hoch.

5. Was verursacht oder begünstigt einen vorzeitigen Samenerguß und welche Formen gibt es?

Generell wird bei einer Ejaculatio praecox zwischen zwei Formen unterschieden. Einerseits zwischen der primären Form, bei der die Betroffenen bereits seit ihren ersten sexuellen Erfahrungen darunter leiden, wobei sich das Phänomen bis ins höhere Alter fortsetzt, und andererseits der sekundären Form, bei welcher der vorzeitige Samenerguß durch verschiedene Ursachen bei älteren Männern hervorgerufen wird, die zuvor nicht an diesem Phänomen litten. Der vorzeitige Samenerguß wird durch zahlreiche Faktoren begünstigt. Lange Zeit wurden nur seelische Ursachen für den vorzeitigen Samenerguß angenommen, wie etwa der psychische Druck bei jungen Männern, wenn sie ihre ersten Erfahrungen machen. Auch Störungen beim Verhältnis zum eigenen Körper sind wichtige Ursachen. Doch es gibt auch zahlreiche körperliche Faktoren, die oftmals gemeinsam mit dem vorzeitigen Samenerguß auftreten. So geht der vorzeitige Samenerguß oftmals mit der erektilen Dysfunktion Hand in Hand, so paradox es klingen mag. Doch es ist verständlich. Wenn über eine längere Zeit versucht wird, eine Erektion aufzubauen, ist die Erregung, wenn sich eine Erektion einstellt, zumeist schon so groß, daß die intravaginale Verweildauer bis zum Samenerguß nicht mehr lang ist. Auch Krankheiten wie Diabetes oder Multiple Sklerose wirken sich auf den Samenerguß aus. Eine der am weitesten verbreiteten Ursachen ist allerdings eine Störung des Serotoninhaushaltes, der Konzentration eines Hormons, das sich stark auf den Samenerguß auswirkt. Experten vermuten, daß diese Störung genetisch bedingt ist. Wird im Gehirn zu wenig Serotonin freigesetzt, besteht die Gefahr, daß es zu einem vorzeitigen Samenerguß kommt.

Was hilft gegen den vorzeitigen Samenerguß?

Der vorzeitige Samenerguß kann allerdings mit einigen sexuellen Techniken abgewandt oder zumindest abgemildert werden, wenn es sich um eine leichte Form des Phänomens handelt. So wird etwa bei der Squeeze-Technik der Penis kurz unterhalb der Eichel leicht gedrückt, um den Drang zur Ejakulation zu unterdrücken. Bei der Start-Stopp-Technik hingegen werden bei einer bevorstehenden Ejakulation die intravaginalen Bewegungen gestoppt und gewartet, bis der Drang zur Ejakulation nachläßt. Zudem profitieren auch Männer beim vorzeitigen Samenerguß von einem Training des Beckenbodens. Und manchmal hilft es schon, tief und mit der richtigen Technik Luft zu holen. In gravierenderen Fällen hingegen helfen spezielle Cremes, welche die Eichel betäuben. Hier sollte allerdings auf ein Kondom geachtet werden, da sonst auch die Vagina der Partnerin beim Verkehr betäubt werden kann.

Effektive Medikamente

Bei ganz hartnäckigen Fällen hilft seit einiger Zeit das neue Medikament Priligy. Der darin enthaltene Wirkstoff Dapoxetin gehört zur Gruppe der Antidepressiva, genauer gesagt zu den Serotonin-Wieder-Aufnahmehemmer, die dafür sorgen, daß der Serotoninspiegel dauerhaft hoch bleibt, so daß eine verbesserte Kontrolle des Samenergusses notwendig wird. Dieses Medikament ist allerdings verschreibungspflichtig und wird nur verschrieben, wenn verschiedene Kriterien erfüllt werden, etwa wenn der persönliche und zwischenmenschliche Leidensdruck durch den vorzeitigen Samenerguß unerträglich geworden ist und es in den sechs Monaten vor der Untersuchung sehr häufig zu einer Ejaculatio praecox gekommen ist. Also bei einem vorzeitigen Samenerguß besser ab zum Arzt, auch wenn es zunächst schwer fällt. Und keine Angst, es erfährt auch niemand. Der Arzt ist an seine Schweigepflicht gebunden

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