Trauma Impotenz – wenn der Mann nicht mehr kann

Obwohl der Mensch durchaus auch ohne Sex leben könnte, werten Männer die Impotenz als eine der schlimmsten Diagnosen, die ihnen gestellt werden können. Es ist nicht tödlich, nicht ansteckend oder unheilbar – dennoch fürchten sich alle Männer davor, daß es eines Tages im Bett nicht mehr so laufen könnte, wie gewohnt. Das Trauma Impotenz sitzt tief und beinahe jeder Mann ist irgendwann einmal davon betroffen. Doch es gibt wirksame Hilfen.

Die Angst um die Manneskraft

Forschungen gehen davon aus, daß jeder fünfte Mann an Impotenz oder zumindest an einer Form der erektilen Dysfunktion leidet, so berichtet des der Gesundheitsratgeber vom Focus. Andere gehen sogar noch einen Schritt und zitieren Studien, in denen von Forschern festgestellt wurde, daß sogar jeder zweite Mann mindestens einmal in seinem Leben mit einer Potenzstörung zu kämpfen hat. Darunter werden sowohl die Impotenz als auch der vorzeitige Samenerguß gezählt. Eines jedoch haben alle Untersuchungen gemeinsam. Sie bestätigen, daß eine Erektionsstörung zumindest ab einem gewissen Alter häufiger auftritt und eine normale Begleiterscheinung des natürlichen Alterungsprozesses ist. In der Regel setzen die Schwächen der Manneskraft ab dem vierzigsten Lebensjahr ein. In jüngeren Jahren sind sie zwar weniger üblich aber dennoch nicht unmöglich. Es ist sogar erwiesen, daß sexuelle Störungen heutzutage immer früher auftreten können.

Die sensible Potenz

Männer wollen stark, ausdauernd, allzeit bereit sein, eben männlich. So, wie man es von ihnen erwartet. Doch hinter all dieser Stärke verbirgt sich ein sehr fragiles Konstrukt – die Potenz. Aus der rein medizinischen Betrachtung handelt es sich dabei um einen einfachen, mechanischen Vorgang. Reize, zum Beispiel ausgelöst durch erotische Bilder oder Berührungen, wirken stimulierend auf das menschliche Lustzentrum im Gehirn und das Rückenmark. Diese schütten nun die erektionsfördernden Botenstoffe und Sexualhormone aus. Die Schwellkörper im Penis füllen sich mit Blut, der Penis erhärtet. Den Höhepunkt dieses Vorgangs bildet die Ejakulation, der Orgasmus. Im Idealfall hat ein Mann Einfluß auf diesen Vorgang. Er kann sich selbst stimulieren oder weiß zumindest, wie andere ihn stimulieren können. Er kann auch durch gezielte Gedanken, dem „Kopf Kino“, eine Erektion hervorrufen. Ein gesunder Mann ist zudem in der Lage, eine Erektion länger hinauszuzögern, bis es zum Samenerguß kommt – so zumindest sieht der Idealfall aus.

Die Realität jedoch ist ernüchternd und viele Männer können von diesem Bild nur träumen. Es reichen bereits kleinste Schwankungen aus, um das zerbrechliche Zusammenspiel aus Gefühlen, Reizen und den Reaktionen aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die Folgen liegen auf der Hand. Der Penis erigiert nicht, zu wenig oder zu kurz. Doch bis ein Mann die Notbremse zieht, ist es oftmals schon zu spät – mit fatalen Folgen.

Männer meiden Mediziner

Männer, die an Impotenz, oder wie es in Fachkreisen genannt wird, einer erektilen Dysfunktion, leiden, gehen damit nicht gerne zu einem Arzt. Viele begnügen sich damit, das Problem einfach auszusetzen. Doch damit verschlimmern sie das Problem meistens nur noch. Impotenz ist noch immer ein großes Tabuthema in der Gesellschaft und kein Mann möchte sich gerne eingestehen, daß es ihm an Standfestigkeit im Bett mangelt. Gerade in einer Welt, in der Sex kaum mehr Verbote und Grenzen kennt und jeder ständig zum Sex bereit ist, fällt es sehr schwer, wenn man nicht in dieses Bild paßt. Doch wer damit zu lange wartet, einen Spezialisten aufzusuchen, der kann einen gefährlichen Domino-Effekt auslösen. Eine ausgereifte Impotenz verschwindet nicht von allein über Nacht, genauso wenig, wie sie von heute auf morgen aufgetreten ist. Eine anhaltende erektile Dysfunktion kann sich verheerend auf die Lebensqualität und das komplette Selbstbild eines Mannes auswirken. Die Persönlichkeit, das Selbstvertrauen und nicht zuletzt auch die Partnerschaft leiden zunehmend unter dem Problem – vor allem dann, wenn es nicht angesprochen und stattdessen verheimlicht wird. Dabei bedenken die meisten Betroffenen nicht, daß es für Ärzte keinesfalls ein Sonderfall ist, wenn sie mit Männern reden, die an Erektionsstörungen leiden. Ganz im Gegenteil. Über kurz oder lang wird jeder Mann einmal damit zu tun haben und er ist gut damit beraten, zum Arzt zu gehen. Falsche Scham ist hier fehl am Platz. Theoretisch müßte heute kein Mann mehr unter Impotenz leiden, wenn er sich denn entschließe, zum Fachmann zugehen. Für beinahe jeden Betroffenen gibt es eine individuell angepaßte Hilfe.

Ursachen für Impotenz

Die Gründe und Ursachen für die fehlende Manneskraft sind vielseitig und können sowohl physischer als auch psychischer Natur sein. Studien belegen, daß vor allem junge Männer eher mit ihrer Psyche zu kämpfen haben. Der gesellschaftliche Leistungsdruck ist hoch und Streß am Arbeitsplatz oder in der Beziehung kann schon mal die Luft rauslassen. Versagensängste spielen dabei eine große Rolle. Ältere Männer dagegen leiden häufiger an körperlichen Beschwerden, die eine erektile Dysfunktion nach sich zieht. Diabetes gehört zu den bekanntesten Ursachen für Potenzprobleme. Zudem haben Männer jenseits der 40 mit dem natürlichen Alterungsprozeß zu tun, der sich schlichtweg auf alle Lebensbereiche ausbreitet, auch auf den Sex. Mit der Zeit verengen die Gefäße, das Blut kann nicht mehr richtig fließen und gelangt somit auch nicht in den Penis, eine Erektion bleibt folglich aus. Gerade die Arterien im Penis sind sehr schmal, Gefäßverengungen können da gefährlich werden. Bluthochdruck und zu hohe Blutfettwerte sind oftmals die Ursachen dafür. Doch auch weitere körperliche Beschwerden können Impotenz mit sich bringen. So zum Beispiel leiden Raucher deutlich häufiger an einer erektilen Dysfunktion. Auch Übergewicht, zu viel Alkohol, Probleme mit der Bandscheibe und neurologische Störungen werden als Gründe für eine Erektionsstörung genannt.

Medikamente austauschen

Daneben kann eine erektile Dysfunktion auch eine typische Nebenwirkung verschiedener Medikamente sein. Psychopharmaka, Präparate, die den Blutdruck senken sollen und Entwässerungsmittel konnten bereits als Ursachen für eine Erektionsstörung identifiziert werden. Männer, die ganz plötzlich, nachdem sie auf neue Medikamente eingestellt wurden, eine Potenzstörung bei sich feststellen, sollten dies unbedingt mit ihrem Arzt absprechen. Dieser kann die Medikamente tauschen oder anders dosieren.

Therapiemöglichkeiten bei Potenzstörungen

Die gute Nachricht ist, daß ein Großteil der Potenzprobleme wirksam behandelt und geheilt werden können. Manchmal reichen bereits wenige Änderungen der Lebensweise aus. Gesunde Ernährung nach einem gut sortierten Speiseplan, die Reduzierung von Streß, viel Schlaf und dafür wenig Alkohol können sich bereits sehr positiv auf das Sexualleben auswirken. Natürlich gibt es auch Fälle, bei denen härtere Geschütze zum Einsatz kommen müssen. Liegen psychische Ursachen für die Erektionsstörungen vor, zum Beispiel zu hoher Leistungsdruck oder Streß, so greifen Ärzte gern zu Potenzmitteln in Tablettenform. Neben dem Klassiker Viagra können sich Männer heute auch wahlweise und je nach Vorliebe für Cialis oder Levitra entscheiden. Diese drei inzwischen klassischen Präparate enthalten die Wirkstoffe Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil, allesamt Substanzen aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer. Sie gelten als gut verträglich und wurden ausreichend getestet, sind aber rezeptpflichtig und müssen individuell dosiert werden um eine optimale Wirkung zu erzielen.

Wenn das nicht funktioniert, kann alternativ auch zur SKAT-Methode gegriffen werden. Diese ist jedoch bei Männern nicht sehr beliebt. Wer läßt sich schon keine eine Nadel in den Penis stechen? Bei dieser sogenannten Schwellkörper-Injektionstherapie spritzt sich der Patient selbst den Botenstoff Prostaglandin E1 in den Penis. Dieser Wirkstoff soll die Gefäße erweitern und so zur gewünschten Erektion führen. Etwas aus der Mode geraten ist die Vakuumpumpe. Dabei soll mittels einer Röhre ein Unterdruck erzeugt werden. Der Penis wird regelrecht gestreckt. Im schlimmsten Fall hilft nur noch eine Operation, doch davon sind die meisten Patienten weit entfernt. Nur die allerwenigsten müssen diesen letzten Schritt gehen, um wieder Herr über ihr Sexualleben zu werden. In der Regel reichen bereits einfache Maßnahmen aus.

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