Liebe in der Luft – Sex auf 10.000 Metern

Es ist so weit, der lang ersehnte Sommer ist endlich da und damit auch all die Freuden, die die schönste Zeit das Jahres eben mit sich bringt. Darunter auch der Jahresurlaub. Koffer packen, Mädchen schnappen und ab zum Flieger, denn im Urlaub warten schon sonnige Palmenstrände, kühle Cocktails und natürlich wilder Urlaubssex. Doch wer es in diesem Sommer ordentlich krachen lassen will, der schließt sich dem berühmt berüchtigten „Mile High Club“ an – Sex im Flugzeug, richtig? Falsch, sagt Thilo Mischke vom Männermagazin GQ und verrät dabei, warum auf einer Höhe von 10.000 Metern eher von einem Lustloch die Rede ist.

Sex in Flugzeug – nur ein Mythos?

Wer hat sich nicht schon einmal vorgestellt, Sex in einem Flugzeug zu haben? In Filmen und im Fernsehen sieht man doch andauernd, wie heiße Paare sich heimlich zur Toilettenkabine schleichen und dann ihrer Lust freien Lauf lassen, während die Stewardessen fleißig weiter ihren Tomatensaft an die Fluggäste verteilen. So erging es auch mir, als ich mit meiner Freundin am Gate auf den Urlaubsflieger wartete. Kaum wird die Landebahn geräumt, da loten wir bereits unsere Möglichkeiten und Chancen aus, wie wir zwei Hübschen am sichersten unerkannt zur Kabine des Glücks schleichen können. Wir steigen in den Flieger und mit jedem Schritt werden wir noch aufgeregter. Als wir unsere Sitzplätze gefunden haben, zum Glück nicht weit von den Toiletten entfernt, uns ordnungsgemäß angeschnallt haben und das Flugzeug auf das Rollfeld zusteuert, ist unsere Lust kaum noch zu bremsen. Doch woran liegt das?

Lust im Flugzeug – woran liegt es?

Ich bin mir nicht sicher, ob es allein die Vorstellung ist, demnächst Sex zu haben oder die gigantische Höhe, die mich nun vom Erdboden trennt und deshalb das Adrenalin in mir aufsteigen läßt oder ob es einen anderen Grund dafür gibt, daß die sexuelle Erregung im Flugzeug so deutlich zu spüren ist. Doch Fakt ist, ich bin und war nicht allein. Der Mythos rund um den „Liebe im Flugzeug“-Club geht auf das Jahr 1913 zurück als der Flugzeugpilot Lawrence Sperry mit seiner Begleiterin Waldo Polk zu den Begründern des sogenannten Mile High Clubs wurden – ein Club, der bis heute so exklusiv ist, daß es weder Mitgliedsanträge, Clubkarten, Vereinstreffen oder einen Clubchef gibt. Im Grunde kann jeder Mitglied werden, die einzige Bedingung: Sex in einer Höhe von mindestens einer nautischen Meile, das entspricht in etwa einer Höhe von 1852 Metern. Flugzeuge, Zeppeline, Heißluftballons, Spaceshuttle, alles ist erlaubt. Was bleibt, ist das befriedigende Bewußtsein, einem Club der Extraklasse anzugehören. Allein dieser Gedanke beflügelt mich und ich überlege mir bereits, wann wir endlich die Sicherheitsgurte lösen und uns auf dem Weg zur Himmelsfreude machen können. Während ich mich jedoch im Flugzeug umschaue, wird mir gleichzeitig bewußt, warum dieser Club nach wie vor so exklusiv ist. Die Aufnahme ist tatsächlich mit mehr Hürden verbunden, als mir lieb ist.

Herausforderungen beim Sex im Flugzeug

Auch Thilo Mischke kann ein Lied davon singen, wie schwierig es abseits der Hollywoodfilme tatsächlich ist, in einem Flugzeug seinem Mann zu stehen. Von seinen Erfahrungen berichtet er dem Männermagazin GQ in seiner Reportage „Luftloch“. Und auch mir wird schnell klar, das wird kein leichtes Spiel. Das Flugzeug ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Schon jetzt stieren die ersten Leute auf das stille Örtchen und mich beschleicht der Verdacht, daß wir nicht die einzigen sind, die heute zu Anwärtern der Clubmitgliedschaft werden wollen. In der Tat geben in einer Umfrage knapp 10 Prozent der Befragten an, daß sie bereits einmal Sex im Flugzeug hatten und auch unter den Fluggesellschaften ist dieser Traum zahlreicher Passagiere durchaus bekannt. Einige Fluggesellschaften verbieten direkt den sexuellen Kontakt während eines Fluges, da es dabei immer wieder zu Zwischenfällen gekommen ist. Auch in unserem Flieger fällt mir auf, daß die Stewardessen die zwei Toilettenkabinen wie Schießhunde bewachen und keinem Schritt von den Türen weichen. Wie sollen wir da nur unauffällig zu zweit in der Kabine verschwinden? Im Geiste gehe ich das Szenario bereits einmal durch. Meine Freundin, die den Platz am Gang gewählt hat, würde als erste nach vorn gehen, sobald das Signallämpchen schaltet, daß die Toilette wieder frei ist. Ich würde ihr in einem strategisch günstigen Moment folgen, wenn die Stewardeß gerade abgelenkt ist. Ich sehe schon jetzt, wie mir dutzende Blicke hinterherschauen würden, wohl wissend, daß wir die Flugzeugtoilette wahrscheinlich ein klein wenig zweckentfremden wollen. Doch wenn wir es erst einmal zu zweit in die Kabine geschafft haben, wird alles ganz einfach. Oder etwa nicht?

Sex auf engstem Raum

In der Kabine sollten sich Paare buchstäblich auf Kuschelatmosphäre einstellen, denn es wird sehr eng. Die Toiletten in Flugzeugen sind alles andere als geräumig, immerhin sollen sie hier ja auch einen ganz anderen Zweck erfüllen und sind dementsprechend funktional eingerichtet. Ein bißchen Geschick und sportliches Talent wird da schon vorausgesetzt. Im Grunde sind nur zwei Möglichkeiten offen, entweder bleiben die Verliebten einfach stehen oder aber sie machen es sich auf der Kloschüssel gemütlich. Wer jetzt an noch an Romantik über den Wolken glaubt, der ist schief gewickelt. Hinzu kommt, daß es sich – ganz gleich in welcher Höhenlage – nach wie vor um einen Lokus handelt, mit allem was das stille Örtchen eben mit sich bringt. Dazu gehören auch die typischen Toilettengerüche und auch unsaubere Stellen auf dem Fußboden. Deshalb sollten Paare vorab bereits bedenken, daß eine Flugzeugtoilette nicht gerade die hygienischen Bedingungen erfüllen muß, die für Sex im Allgemeinen wünschenswert wären.

Im 7. Himmel nie allein

Eine weitere Hürde sind nicht zuletzt die zahlreichen anderen Fluggäste, die gerade auf Langstreckenflügen auch das ein oder andere Mal die Toilette aufsuchen müssen. Wer also nicht riskieren möchte, daß bald ein wütender Passagier mit Fäusten gegen die Toilettentür donnert, der sollte sich mit seinem Liebesspiel beeilen. Außerdem ist zu beachten, daß die meisten Flugzeuge heutzutage schon aus Sicherheitsgründen so ausgestattet sind, daß die Kabinentüren jederzeit von der Stewardeß von außen geöffnet werden kann. Wer also nicht in flagranti erwischt werden und zudem ohne Hose vor der versammelt Mannschaft stehen möchte, der sollte sich bereits von vor dem Abflug mit dem Gedanken an einen Quickie anfreunden. Bei all dem Druck ist es nicht verwunderlich, daß vielen Männern schließlich die Lust wegbleibt und im Falle des Falles gar nicht mehr geht.

Nachhelfen in luftiger Höhe?

Der Mile High Club ist nicht für jeden zugänglich. Dies liegt vor allem daran, daß es alles andere als einfach ist, diese erotische Fantasie wirklich in die Tat umzusetzen. Es gibt viele Hürden zu meistern und viele Männer können am Ende mit dem Druck nicht umgehen. Einige jedoch kommen schließlich auf den Gedanken, ihrer Potenz im Flugzeug etwas auf die Sprünge zu helfen. Viagra und andere kleine Helferlein werden es schon richten, richtig? Doch Vorsicht ist gemahnt. Wer vor dem Flug Potenzmittel nimmt, dann aber keine Möglichkeit hat, Sex zu haben, der muß mit einer schmerzhaften und zudem peinlichen Erektion während des gesamten Fluges rechnen. Außerdem sollte die Einnahme von Potenzmitteln der Gesundheit zuliebe immer vorab mit einem Arzt abgesprochen werden. Spontane Experimente sind hier tabu. Wer also Lust auf die Lust im Urlaub hat, der wartet besser die Landung ab. In einem romantischen Hotelzimmer mit viel Platz, einem gemütlichen Bett und genügend Zeit macht es doch am Ende ohnehin viel mehr Spaß. Schließlich soll der ersehnte Jahresurlaub doch der Entspannung dienen und nicht schon zu Beginn zu einem nervenaufreibenden und peinlichen Reinfall werden.

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