Frust statt Lust – Wenn der Leistungsdruck im Bett zu hoch wird

Ein erfülltes Sexleben gehört, wie wir alle wissen, zu der schönsten Nebensache der Welt und gehört zum glücklich sein einfach dazu. Die moderne Medienlandschaft macht es uns vor. Von Plakaten lächeln sommerlich leicht bekleidete Frauen herunter und die Männer stehen allzeit bereit. Nicht zuletzt suggerieren Filme wie „Fifty Shades of Grey“ die neue Offenheit und Lust auf das Sexleben der Moderne – Anforderungen, denen nur die wenigsten Paare im echten Leben gewachsen sind. Wen wundert es da, wenn selbst das öffentlich rechtliche Fernsehen mit Formaten wie „Make love – Liebe kann man lernen“ inzwischen zum Sexualratgeber avanciert ist.

Die neue Lust

Höher, schneller, weiter! – dieses inzwischen in die Jahre gekommene Motto ist derzeit so präsent wie nie und inzwischen auch in den deutschen Betten angekommen. „Normaler Sex“ gehört dagegen zum alten Eisen und wird als Blümchensex oder Vanillasex verschrien. Wer gibt sich heute schon mit der Missionarsstellung zufrieden? Auch der Sexualtherapeut Reinhard Kleber hat in einem Interview erklärt, dass Sex inzwischen häufig mit Performance verwechselt wird. Doch woher kommt dieses neue Verständnis von Lust? Warum reicht einfacher Kuschelsex nicht mehr aus? Inzwischen wird guter Sex mit Leistung gleichgesetzt. Sowohl Männer als auch Frauen haben hohe Erwartungen an ihr Sexleben. Serien wie „Sex and the City“ haben bereits deutlich gemacht, dass auch reifere Frauen großen Wert auf ein erfülltes und abwechslungsreiches Sexualleben legen. Bezeichnenderweise wird die männliche Hauptrolle nur „Mr. Big“ genannt. Auch nach dem Erfolg der Serie setzt sich diese Einstellung zum modernen Sexleben durch. Den bisherigen Höhepunkt lieferte die Verfilmung des Romanerfolgs „Fifty Shades of Grey“. Bildgewaltig und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen erzählt der Film die Geschichte einer Frau, die immer mehr den SM-Spielen ihres Partners verfällt und dabei größte Lust empfindet. Fesselspiele, Knebel und Peitschen dominieren buchstäblich die Zweisamkeit und lockten unzählige Fans in die Kinos. Nun ist natürlich nicht jedes häusliche Schlafzimmer wie eine Folterkammer ausgestattet und doch fühlen sich viele, gerade junge Paare, genötigt, diesem Vorbild zu folgen. Kein Wunder also, dass der Leistungsdruck enorm gestiegen ist.

Leistungsdruck als Lustkiller

Blicken wir in die Geschichte zurück, so war Sex vor allem eine Vorliebe der Männer. Die weibliche Lust dagegen hat eher eine untergeordnete Rolle gespielt. Dies hat sich jedoch vor allem in den letzten 50 Jahren drastisch verändert. Auch Frauen legen großen Wert auf guten Sex. Da kann es schon einmal vorkommen, dass sich der ein oder andere Mann unter Druck gesetzt fühlt, wenn auch sie auf die Erfüllung ihrer Wünsche und Vorlieben besteht. Ausdauer und Standfestigkeit sind gefragt und das am besten zu jeder Zeit. Daneben soll der Sex auch abwechslungsreich und aufregend sein, kein Wunder, dass vor allem junge Paare schnell überfordert sind. Doch auch die Frauen stehen unter dem Druck im Bett eine gute Figur zu machen. Rank und schlank wie die strahlenden Werbepüppchen, natürlich immer voller Lust und stets bereit, etwas Neues auszuprobieren. Die Erwartungen scheinen enorm und so passiert es immer häufiger, dass am Ende gar nichts mehr geht. Männer entwickeln eine wachsende sexuelle Unlust, da Sex immer mehr zu einer Aufgabe wird und Frauen fühlen sich zurückgewiesen und unattraktiv. Worauf es jedoch wirklich ankommt, wird dabei ganz vergessen. Statt sich liebevoll dem Partner zu widmen und Zweisamkeit zu genießen, ziehen sie sich immer mehr zurück, bauen Hemmungen auf und entfremden sich.

Ist der Griff zu Viagra immer notwendig?

Einen Ausweg aus dem Dilemma sehen viele Betroffene schließlich in Potenzmitteln. Sowohl Männer als auch Frauen greifen inzwischen immer häufiger zu Viagra und Co., um ihre vermeintlichen sexuellen Unzulänglichkeiten zu behandeln. Für Frauen ist das Pendant Lovegra auf dem Markt, welches ihnen zu mehr sexueller Lust und einer erhöhten Orgasmus Fähigkeit verhelfen soll. Allerdings warnen Sexualtherapeuten wie Kleber vor dem zu schnellen Einsatz von potenzsteigernden Mitteln. Für viele Paare sei der Griff zum Medikament viel zu voreilig und gänzlich unnötig, da an sich gar keine Sexualstörung vorliege. Nur weil ein Paar nicht drei Mal täglich stundenlangen Sex in allen erdenklichen Stellungen haben kann, heißt das noch lange nicht, dass eine Sexualstörung vorliegt. Dagegen scheinen Paare vollkommen aus dem Blick verloren zu haben, wieviel Sex normal und gesund ist. Da ihnen diese realistische Einschätzung fehlt, empfinden sie sich schnell als unterdurchschnittlich und greifen dementsprechend zeitig zum Potenzmittel.

Was hilft bei sexueller Unlust wirklich?

Sexualtherapeuten und Psychologen haben derzeit volles Haus. Immer mehr Paare sind mit ihrem Sexleben unzufrieden und suchen sich Hilfe, nicht wenige greifen dabei auch zu Potenzmitteln. Bei den meisten Paaren stellt sich schnell heraus, daß sie weder an einer Sexualstörung leiden, noch auf Viagra oder andere luststeigernde Mittel angewiesen sind. Ihnen wird durch die Medien schlicht zu häufig suggeriert, wie Sex heutzutage auszusehen hat und übersehen dabei, daß diese Vorstellungen gänzlich unnatürlich und unrealistisch sind. Therapeuten wie Kleber raten dagegen zu einem anderen Mittel: radikale Ehrlichkeit. Paare sollen sich miteinander hinsetzen und ehrlich darüber reden, was ihnen im Bett wirklich wichtig ist und was sie befriedigt. Bei vielen stellt sich schnell heraus, daß sie mit einer Lightversion des Sexes viel glücklicher wären. Der Druck wäre nicht so groß, wenn sie einfach nur Spaß am Zusammensein haben könnten, statt jedes Mal eine Performance wie in einem Stripclub abliefern zu müssen. Dieses Eingeständnis ist für viele Paare bereits der Schlüssel zu einem erfüllteren Sexleben. Doch manchmal kommt ein Arzt oder Psychologe nicht darum herum, tatsächlich zum Rezeptblog greifen, um ein Potenzmittel zu verschreiben.

Wann braucht man Potenzmittel wirklich?

Potenzsteigernde Substanzen sind heute schnell das erste Mittel der Wahl, wenn es im Bett nicht so läuft, wie erhofft. Doch bevor Männer und auch Frauen zur Pille greifen, sollten sie vorab einen Arzt aufsuchen, denn oftmals Fällen sind Potenzmittel gar nicht nötig. Ein Arzt kann zudem ausschließen, dass der Potenzstörung nicht anderen körperlichen Beeinträchtigungen zugrunde liegt. Denn oftmals ist eine erektile Dysfunktion nur die Folge einer ganz anderen Erkrankung und die sollte möglichst zeitnah behandelt werden. Außerdem können Betroffene mit einem Arzt genau absprechen, welche Anforderungen sie an ein Potenzmittel stellen. Denn inzwischen gibt es neben Viagra noch zahlreiche andere Produkte und alle haben ihre ganz eigenen Qualitäten. Auch die richtige Dosierung ist im Idealfall dem Arzt zu überlassen, vor allem dann, wenn bereits andere Medikamente eingenommen werden müssen. Vor Experimenten mit der Dosierung und Tabletten aus dem Internet von unsicheren Quellen wird dringend abgeraten, da es zu Nebenwirkungen oder Kontraindikationen mit anderen Medikamenten kommen kann.

Auch Frauen kann geholfen werden

Nicht nur Männer haben mit dem Leistungsdruck zu kämpfen, auch Frauen leiden an der zunehmenden Sexualisierung. Doch bevor sie voreilig ein luststeigerndes Mittel einnehmen, sollten auch Frauen vorerst mit ihren Frauenarzt oder einem Hausarzt reden. Für Frauen gibt es inzwischen Präparate wie Lovegra, die für eine bessere Durchblutung im Beckenbereich und eine erhöhte Orgasmus Fähigkeit sorgen. Vor der Einnahme sollten sie jedoch besprechen, ob nicht andere körperliche oder psychische Gründe vorliegen, warum es im Schlafzimmer nicht so läuft wie gewünscht. Zudem kann ein Arzt auf Nebenwirkungen hinweisen und absprechen, wann und wie die zart rosa Tabletten am besten eingenommen werden sollten. Natürlich sollten sowohl Männer als auch Frauen es mit ihren Partnern absprechen, wenn sie zu Potenzmitteln greifen, da dies sonst für ungewollte Überraschung sorgen kann, wenn nach der langen Flaute plötzlich so viel Action im Bett herrscht. Generell gilt ein klärendes Gespräch vorab als das A und O, um zu einer zufriedenen und glücklichen Einigung im Sexleben zu kommen.

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