Der Orgasmus. Frauen faken – Männer auch

Die Szene ist legendär und gehört zu den am meisten adaptierten Filmschnipseln überhaupt. Die Szene, in der Harry und Sally in dem gleichnamigen Film im Restaurant sitzen und die von Meg Ryan gespielte Sally dem von Billy Chrystal gespielten Harry vor allen anderen Restaurantbesuchern einen Orgasmus vortäuscht. Ziel der Aktion ist es, dem arroganten Macho, der überzeugt davon ist, daß all seine Liebschaften Spaß mit ihm hatten und er dies doch am Orgasmus erkenne, den alle Frauen hatten, davon zu überzeugen, daß Frauen Orgasmen vortäuschen und er dies keinesfalls erkennen könne. Tatsächlich ist es gar nicht so selten, daß Frauen Orgasmen vortäuschen. Und aus überraschenden Gründen. Männer täuschen aber auch vor, wenn es auch niemand glauben wird.

Zahlreiche Gründe für einen gefakten Orgasmus

Das Phänomen des vorgetäuschten Orgasmus ist bei den Frauen sehr weit verbreitet. Studien zufolge hat bereits jede zweite Frau mindestens ein Mal beim Orgasmus geschummelt. Viele Gründe für den gefakten Orgasmus sind naheliegend und jeder kommt nach einem kurzen Nachdenken darauf. Frauen, die sich in einer liebevollen Partnerschaft befinden, täuschen den Orgasmus vor, um ihrem Partner ein gutes Gefühl zu geben. Zudem führt die Unsicherheit von Frauen dazu, daß sie den Orgasmus faken. Damit versuchen sie zu erreichen, die eigene Unsicherheit zu überspielen. Wenn sie nicht genug Lust haben, um Sex zu haben, ihrem Partner jedoch eine Freude machen wollen und sich auf den Sex einlassen, benutzen sie den vorgetäuschten Orgasmus, um den Sex vorzeitig zu beenden.

Neuer Grund: Frauen täuschen einen Orgasmus vor, um einen echten Orgasmus zu provozieren

Diese Gründe sind bekannt und – wie bereits erwähnt – naheliegend. Doch eine vergleichsweise junge Studie, die im Jahr 2014 im „Journal of Sexual Archives“ veröffentlicht wurde, konnte ein weiterer Grund aufgedeckt werden, auf den niemand so leicht kommen würde, der die weibliche Sexualität und Psyche nicht kennt. Denn Frauen täuschen den Orgasmus nicht vor, wenn sie den Sex schneller beenden wollen, sondern auch um ihn zu verlängern, weil sie sich noch einen richtigen Orgasmus erhoffen. Mit dem vorgetäuschten Orgasmus steigern sie zudem ihre eigene Lust, wodurch sie die Wahrscheinlichkeit steigern, daß bei ihnen doch noch ein Orgasmus eintritt.

Mysterium weiblicher Orgasmus

Der weibliche Orgasmus ist zudem für die meisten Männer aber auch für viele Frauen ein Mysterium. Die besagte Studie klärt einige Fragen auf, welche die Männer aber auch die Frauen über den weiblichen Orgasmus haben. So kommt eine Frau, die zum ersten Mann mit einem Mann schläft, mit einer Wahrscheinlichkeit von 32 Prozent zu einem Orgasmus. Mit jedem weiteren Geschlechtsverkehr steigt die Wahrscheinlichkeit weiter, nach der sechsten vaginalen Zusammenkunft steigt die Wahrscheinlichkeit auf 50 Prozent.

Wahrscheinlichkeit für den Orgasmus erhöhen

Hinzu kommt, daß die Wahrscheinlichkeit für einen Orgasmus noch einmal steigt, je nachdem, wie die Erwartungshaltung der Frauen an den Sexualpartner ist. In dieser Studie wurden einige Mysterien aufgeklärt. 45 Prozent der befragten Frauen antworteten demnach, daß sie beim Sex einen Orgasmus hatten, wenn sie auf eine Beziehung mit dem Partner aus waren und diese im Bereich des Möglichen lag. Und nur 37 Prozent der befragten Frauen, die Sex mit einem Mann hatten, mit dem sie keine Beziehung im Sinn hatten, kamen bei dem Sex zum Orgasmus. Frauen, die in einer Beziehung leben oder eine anstreben, haben also eine höhere Wahrscheinlichkeit einen Orgasmus zu haben. Die Wahrscheinlichkeit kann weiter mit Hilfsmitteln wie Lovegra gesteigert werden, einem Potenzmittel für die Frau. Dies war allerdings nicht Gegenstand der Studie.

Ähnliche Gründe wie bei Frauen

Doch nicht nur die Frauen täuschen Orgasmen, vor, sondern auch Männer. Einer US-Studie zufolge, in der Studenten befragt wurden, hat jeder vierte Mann bereits einmal einen Orgasmus vorgetäuscht. Wie bei den Frauen ist ein Grund dafür, daß er vortäuscht, der, daß er den Sex beenden möchte, aber sie nicht vor den Kopf stoßen oder künftig als Mann gelten will, der nicht kann. Und ähnlich wie bei den Frauen läuft auch beim Mann der gefakte Orgasmus ab. Ein bißchen zucken, sich winden, stöhnen und dann ein wohliger Seufzer und fertig.

Mit ein wenig Geschick und Schnelligkeit vermeintliche Beweise vernichten

Mit ein wenig Geschick können Männer durchaus Orgasmen täuschen. Zwar gibt der Samenerguß einen beredten Beleg für einen Orgasmus, bleibt dieser aus, ist es wahrscheinlich, daß der ganze Orgasmus ausgeblieben ist. Doch wer nach dem vorgetäuschten Orgasmus schnell genug ist, das Kondom gleich nach dem Orgasmus abzieht und schnell zum Handtuch greift, um den vermeintlichen und nicht vorhandenen Samenerguß wegzuwischen, bevor die Partnerin reagieren und etwas bemerken kann, täuscht erfolgreich den Orgasmus vor. Dies ist natürlich nicht möglich, wenn in der Partnerschaft nicht mit Kondom verhütet wird und der Orgasmus intravaginal erfolgt.

Orgasmus und Samenerguß hängen nicht immer zusammen

Der Fakt des vorgetäuschten Orgasmus beim Mann dürfte von vielen Menschen angezweifelt werden, die nach dem Sex genauer hinsehen, denn schließlich ist nach dem Orgasmus immer Sperma im Kondom oder anderswo und der Orgasmus damit nachprüfbar, oder? Falsch. Denn der Orgasmus hängt nicht immer mit einem Samenerguß zusammen. Es gibt auch das Phänomen des trockenen Orgasmus, also des Orgasmus ohne Samenerguß. Dieser trockene Orgasmus kann freiwillig herbeigeführt werden oder wird durch körperliche Faktoren verursacht.

Unterdrückung des Samenergusses für multiple Orgasmen

Männer, die bewußt einen Samenerguß unterdrücken, haben zumeist das Ziel, einen multiplen Orgasmus herbeizuführen. Denn wenn der Samenerguß erfolgt, sinkt die Lust und die Orgasmusfähigkeit des Mannes. Der multiple Orgasmus kann vom Mann mit ein wenig Übung erreicht werden, indem der Musculus pubococcygeus trainiert wird, ein Muskel, der sich im Becken des Mannes befindet und mit dem er den Urinstrom regulieren kann. Wird der Muskel verstärkt, kann der Samenerguß wie der Urin durch ein Anspannen des Muskels unterdrückt werden. Der Sex kann also nach dem Orgasmus weitergehen und multiple Orgasmen werden möglich.

Eine Operation der Prostata oder Nervenschäden am Blasenhals verhindern den Samenerguß

Der Samenerguß wird also vom Orgasmus entkoppelt, als Beweis ist der Samenerguß also untauglich. Körperliche Ursachen führen dazu, daß bei Männern weniger freiwillig der Samenerguß ausbleibt. Klar, eine Vasektomie, die dazu führt, daß der Samen beim Orgasmus in die Blase geleitet und mit dem Urin ausgeschieden wird, ist freiwillig. Bei mehr als 90 Prozent der Männer, die an der Prostata operiert wurden, wird das Sperma beim Orgasmus ebenfalls in die Blase geleitet, auch bei Männern, deren Nerven im Blasenhals geschädigt wurden.

Psychopharmaka und Medikamente für die Prostata sind ebenfalls Faktoren

Männer, die Medikamente für die Prostata einnehmen oder Psychopharmaka haben ebenfalls nur trockene Orgasmen, da helfen auch keine Potenzmittel wie Viagra, Cialis oder Levitra, um wieder normale Samenergüsse zu haben. Alle diese Männer können also Orgasmen vortäuschen, ohne mit langen Übungen zu üben, den Samenerguß zu unterdrücken. Für die Männer, deren Samenerguß durch die Medikamente verhindert wird, gibt es allerdings Hoffnung. In der Regel können sie nach dem Absetzen der Medikamente wieder einen Samenerguß genießen. Dann müssen sie sich wieder mit dem Musculus pubococcygeus behelfen, wenn sie einen Orgasmus vortäuschen wollen. Und da das Vortäuschen des Orgasmus bei Männern gar nicht so selten ist, wer weiß? Vielleicht gibt es ja bald eine Neuauflage von „Harry und Sally“. „Harry und Sally 2 – jetzt täuscht Harry vor“.

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