Das 1×1 der Verhütungsmittel und –methoden Teil 3

Moderne Verhütungsmethoden sind nicht nur in weiten Teilen zuverlässig, sondern auch so zahlreich, daß wir unsere Aufzählung in drei Teile splitten mußten, um den Rahmen nicht zu sprengen. Zudem kommen stets neue Verhütungsmittel hinzu, teils aus überraschenden Bereichen. Wer hätte beispielsweise gedacht, daß man ausgerechnet mit dem Potenzmittel Viagra verhüten könnte, wie wir im ersten Teil thematisierten? Denn schließlich soll das Präparat zu einer besseren Potenz verhelfen, so daß man wieder Sex haben kann. Im dritten und letzten Teil werden nun Verhütungsmethoden thematisiert, die ohne zugeführte Hormone oder mechanische Hilfsmittel auskommen. Einige Verhütungsmethoden sind eine kleine Wissenschaft für sich, manche Methoden sind so unwirksam, daß sie im Grunde ein Garant für die Schwangerschaft sind und hier nur als Kuriosum aufgeführt werden. Und einige Methoden sind nahezu endgültig.

Vorteile und Nachteile der natürlichen Methoden sowie der chemischen und operativen Methoden

Im dritten Teil unseres „1×1 der Verhütungsmethoden“ werden hauptsächlich Methoden zur Verhütung angesprochen, die sich um den Körper und dessen hormonellen Grundlagen der Frauen drehen. Denn wer verhüten will, sollte zuallererst auf seinen Körper hören. Im monatlichen Zyklus der Frauen gibt es Zeiten, in denen sie sehr fruchtbar sind und Zeiten, in denen sie eben nicht fruchtbar sind. Die natürlichen Methoden der Verhütung beschäftigen sich mit diesem Zyklus, um eben die unfruchtbaren Tage herauszufinden, um Geschlechtsverkehr zu haben oder die fruchtbaren Tage zu erfahren, wenn ein Kinderwunsch besteht, da es natürlich an diesen Tagen wahrscheinlicher ist, schwanger zu werden. Die natürlichen Methoden sind allerdings weniger zuverlässig und sollten zur sicheren Verhütung einer Schwangerschaft stets mit anderen Verhütungsmitteln kombiniert werden. Dies gilt auch für die chemische Methode, operative Methoden hingegen sind nahezu endgültig.

Natürliche Methoden zur Familienplanung

1. Coitus Interruptus

„Keine Sorge, ich zieh ihn rechtzeitig heraus.“ Diesen Satz werden unzählige junge, unerfahrene Frauen, in abgewandelter Form aber auch junge Männer von ihren Partnerinnen gehört haben. Der Coitus Interruptus zählt zu den ältesten Methoden der Verhütung, wobei der Begriff Verhütung nicht ganz zutrifft, wie zahllose „Interruptus-Kinder“ wissen. Viele junge Menschen greifen aus Unerfahrenheit zu dieser Praxis, wenn kein Verhütungsmittel zur Hand ist. Ihrer Ansicht nach kann es nur nach einem Samenerguß zu einer Schwangerschaft kommen. Ein großer Irrtum, denn einige Zeit vor dem Orgasmus tritt bereits ein kleiner Tropfen Sekret aus dem Penis aus, der sogenannte Lusttropfen, der bereits Samen enthält. Wer zum Coitus Interruptus greift, sollte sich daher bereits beim Sex Kindernamen überlegen.

Pearl Index: 4 – 18

2. Temperaturmethode und symptothermale Methode

Die Temperaturmethode gewinnt ihre Daten aufgrund der Körpertemperatur der Frau, die abhängig von ihrem monatlichen Zyklus ist. Mittels der Basaltemperatur der Frau wird damit ihr Eisprung berechnet. Die Temperatur wird morgens gleich nach dem Aufwachen oral, vaginal oder rektal gemessen, wobei darauf zu achten ist, stets am gleichen Punkt zu messen und daß die Bedingungen gleich sind. Schwankungen der Daten wie etwa durch Krankheit oder Übermüdung sollten gekennzeichnet werden. Diese Methode erfordert ein wenig Übung. Um die Sicherheit zu steigern, wird die Temperaturmethode mit der Billings-Methode zur symptothermalen Methode kombiniert.

Pearl Index: Temperaturmethode 3
Symptothermale Methode 0,8 – 10

3. Knaus-Ogino-Methode

Die Knaus-Oigno-Methode ist auch unter dem Begriff „Kalender-Methode“ bekannt. Mit dieser Methode lassen sich die fruchtbaren Tage ungefähr bestimmen, indem sie mittels Kalender beobachtet und errechnet werden. Die Grundüberlegung hierfür ist, daß der Eisprung immer am 15. Tag des Zyklus stattfindet. Allerdings kann der Zyklus der Frau Schwankungen unterliegen, etwa bei Streß. Zudem können die Spermien im Körper der Partnerin einige Tage überleben, wodurch die Knaus-Ogino-Methode ein recht unzuverlässiges Verhütungsmittel ist. Es ist allerdings gut geeignet, die symptothermale Methode zu unterstützen.

Pearl Index: 9

4. Billings-Methode

Mit der Billings-Methode wird anhand von Daten, die aus dem Zervix-Schleim gewonnen werden, die Zeit der fruchtbaren Tage ermittelt, um schwanger zu werden, oder die unfruchtbaren Tage, um Geschlechtsverkehr zu haben, ohne schwanger zu werden. Die Daten basieren auf dem Östrogenspiegel, der sich im Laufe des monatlichen Zyklus der Frau stetig ändert. Zur Erhebung der Daten wird der Schleim einfach mit den Fingern aus dem Scheideneingang genommen. Während der fruchtbaren Tage wird mehr Schleim produziert und ist flüssiger. Zwischen den Fingern zieht er Fäden, wenn er auseinandergezogen wird. Ist der Eisprung vorbei, trübt sich der Schleim ein und wird zäher. Während der unfruchtbaren Tage wird er zu einem Pfropf, der den Muttermund verschließt. Die Billings-Methode wird in der Regel mit der Temperaturmethode kombiniert. Als alleinige Verhütungsmethode ist die Billings-Methode nicht geeignet und sollte stets mit anderen Verhütungsmitteln wie einem Kondom kombiniert werden

Pearl Index: 15

5. Verhütungscomputer

Der Verhütungscomputer beziehungsweise Zykluscomputer ist ein Gerät, mit welchem die fruchtbaren und die unfruchtbaren Tage berechnet werden, um auf diese Weise sicherzugehen, daß man an sicheren Tagen Geschlechtsverkehr hat. Diese Computer berechnen die Tage anhand von Parametern, die aus der Körpertemperatur der Frau bezogen werden sowie aus der Hormonkonzentration im Urin. Weitere Modelle ziehen auch Daten heran, die sie aus dem Speichel und dem Zervixschleim der Frau gewinnen. Der Zykluscomputer ist ausschließlich als Hilfsmittel zu sehen, mit den Daten des Computers allein kann nicht verhütet werden. Er sollte immer in Kombination mit anderen Verhütungsmitteln verwendet werden. In der Regel wird allerdings der Zykluscomputer für das Gegenteil verwendet, nämlich zum Berechnen der fruchtbaren Tage, um schwanger zu werden.

Pearl Index: 2 – 6

6. Scheidenspülung

Die Scheidenspülung wird der Vollständigkeit halber aufgeführt, da Frauen lange Zeit irrtümlich der Ansicht waren, damit die Spermien auszuspülen, bevor sie in die Gebärmutter kommen. Eine Verhütung mit der Scheidenspülung ist aber nicht möglich, da die Spermien viel zu schnell in die Gebärmutter gelangen. Besonders während des Eisprungs sind die Schleimhäute der Gebärmutter und der Vagina sehr günstig aufgebaut, so daß die Spermien schneller in der Gebärmutter sind und das Ei befruchten, als man „Scheidenspülung“ sagen kann.

Pearl Index: 31

7. Die Stillzeit

Die Annahme, daß die Stillzeit eine gute Verhütung bietet, ist ebenfalls ein Irrtum. Denn einerseits bleibt die Regelblutung während des Stillens zumeist aus, ein Eisprung kann dennoch stattfinden. Studien zufolge bietet die Stillzeit zwar einen gewissen Schutz, allerdings nur, wenn wirklich konsequent tagsüber alle vier Stunden und nachts alle sechs Stunden gestillt wird und die Stillzeit insgesamt mindestens 80 Minuten beträgt. Eine Zufütterung sollte nicht stattfinden.

Pearl Index: 2 – 10

Chemische Methoden

1. Spermizide

Bei Spermiziden handelt es sich um chemische Verhütungsmittel in Form von Schaum, Gelees, Salben oder Zäpfchen, die in die Vagina eingeführt werden, wo sie die Spermien des Mannes abtöten sollen. Spermizide allein eignen sich nicht als Verhütungsmittel, sondern sollten ausschließlich in Verbindung mit mechanischen Verhütungsmitteln wie dem Diaphragma verwendet werden, welche die Spermien zusätzlich davon abhalten, zur Eizelle zu gelangen. Spermizide werden rund 10 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr eingeführt.

Pearl Index: 18 – 29

Operative Verhütungsmethoden

1. Sterilisation der Frau und des Mannes

Bei der Sterilisation des Mannes oder der Frau findet ein operativer Eingriff statt, um eine Unfruchtbarkeit herbeizuführen. Diese Methode ist sehr zuverlässig. Dabei wird zwischen der Tubensterilisation und der Vasektomie unterschieden. Bei der Tubensterilisation werden die Eileiter abgeklemmt oder verödet, wodurch das Ei nach dem Eisprung nicht mehr in die Gebärmutter gelangen kann. Bei der Vasektomie hingegen werden die Samenleiter beim Mann durchtrennt, der Samen gelangt nicht mehr ins Sperma. Theoretisch gibt es die Möglichkeit, die Fruchtbarkeit wieder herzustellen, doch eine vollständige Sicherheit gibt es nicht. Zu dieser Verhütungsmethode sollt also nur gegriffen werden, wenn definitiv kein Kinderwunsch besteht oder die Familienplanung bereits endgültig abgeschlossen ist.

Pearl Index: Sterilisation der Frau 0,2 – 0,3
Sterilisation des Mannes 0,1

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