Das 1×1 der Verhütungsmittel und -methoden Teil 2

Sex ist nicht nur dafür da, Kinder zu zeugen, sondern soll auch Spaß machen. Mit der Entwicklung der modernen, effektiven Verhütungsmittel geriet der Spaßfaktor zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses, der Geschlechtsverkehr und die Fortpflanzung wurden weitgehend entkoppelt. Im Laufe der Jahre wurden zahlreiche verschiedene Verhütungsmittel und –techniken entwickelt. Allerdings fällt es immer schwerer, sich im Dschungel der Verhütungsmittel zurechtzufinden. Zumal immer neue Verhütungsmittel dazu kommen. So konnten wir etwa im ersten Teil unserer Aufzählung, als es um die hormonellen Verhütungsmittel gibt, auch das Potenzmittel Viagra aufführen. Diesen Nebeneffekt des Potenzmittels entdeckten kürzlich Forscher der Queen’s University in Dublin. Nun geht es weiter mit Teil zwei unserer Liste der Verhütungsmittel, mit der Kategorie der Methoden und Mittel, die auf mechanischen Prinzipien beruhen und die eine Barriere für das Sperma darstellen.

Vorteile und Nachteile der mechanischen Methoden zur Verhütung und den Barrieretechniken

Der Vorteil einiger mechanischen Methoden zur Verhütung von Schwangerschaften ist es, daß sie – anders als Methoden, die zur Verhütung auf hormoneller Basis arbeiten – neben dem Schutz vor einer Schwangerschaft auch einen Schutz vor Geschlechtskrankheiten bieten. Diese Verhütungsmittel, Kondome, um genau zu sein, sollten daher vor allem bei One Night Stand immer dabei sein und mit den hormonellen Verhütungsmitteln kombiniert werden. Und sie sollten aus dem Grund mit den hormonellen Verhütungsmitteln kombiniert werden, weil die Kondome weniger sicher sind als Verhütungsmittel, die auf Hormonen basieren. Das Sicherheitsniveau hängt von der richtigen Handhabung ab, sie sollte also geübt werden. Andere mechanische Verhütungsmittel sind allerdings wieder ebenso sicher wie hormonelle Mittel.

Mechanische Verhütungsmethoden und Barrieretechniken

1. Kondome

Das Kondom ist der Klassiker der Verhütungsmittel. Dabei handelt es sich um geschlossene Schläuche, die über den Penis gezogen werden, um das Sperma des Mannes beim Orgasmus zurückzuhalten. Sie werden bereits seit Jahrhunderten benutzt, wobei die ersten Kondome aus gewebtem Stoff gefertigt wurden. Diese waren natürlich nicht sehr wirkungsvoll. Besser waren da schon Kondome, die aus den Därmen von Tieren oder anderen Membranen gefertigt wurden. Heutige Kondome werden künstlich hergestellt und bestehen in der Regel aus Latex, das aus Naturkautschuk gewonnen wird. Zudem werden auch heute noch Kondome aus Naturdarm gefertigt, die speziell behandelt wird. Die Größe und Dicke von Penissen variieren stark, Kondome werden daher in unterschiedlichen Längen und mit unterschiedlichen Durchmessern angeboten werden, so daß für jede Penisgröße ein passendes Kondom erhältlich ist.

Zudem werden heute auch Spezialformen wie das Frauenkondom angeboten. Die Benutzung dieser Frauenkondome erfordert allerdings großes Geschick, so daß diese Verhütungsmittel nicht sonderlich sicher sind. Diese Frauenkondome bestehen ebenso wie die Kondome für den Mann aus Latex. Sie werden vor dem Geschlechtsverkehr in die Vagina eingeführt und bilden dort sozusagen eine zweite Haut, welche die Wanderung der Spermien blockiert. Direkt nach dem Samenerguß wird das Frauenkondom wieder entfernt. Das Frauenkondom ist sehr flexibel und kann bereits einige Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingeführt und getragen werden. Wie das Kondom für den Mann ist das Kondom für die Frau ausschließlich für die einmalige Benutzung gedacht, bei jedem Geschlechtsverkehr muß ein neues Kondom verwendet werden.

Pearl Index:
Kondom 2 – 12
Frauenkondom 5 – 25

2. Spirale

Die Kupferspirale, in der Fachsprache als Intrauterinpessar bezeichnet, ist ein weiteres Verhütungsmittel, welches weit verbreitet ist. Dabei handelt es sich um ein T-förmiges Stäbchen aus Kupferdraht, der ein Kunststoffstäbchen umfaßt. Das Stäbchen wird vom Frauenarzt direkt in die Gebärmutter eingesetzt. Die Tragedauer ist von Produkt zu Produkt unterschiedlich, in der Regel wird die Spirale nach drei bis fünf Jahren über den Rückhohlfaden, der rund zwei Zentimeter in die Scheide hineinragt, wieder entfernt. Die Wirkung der Spirale ist nicht in allen Einzelheiten geklärt, es gilt jedoch als gesichert, daß die Kupferionen toxisch auf die Spermien wirken und sich der Fremdkörper eine Entzündungsreaktion auf die Gebärmutter auslöst. Die Entzündung ist allerdings steril. Die Spirale ist für Frauen gedacht, die entweder keinen Kinderwunsch haben oder deren Familienplanung bereits abgeschlossen ist, da die Spirale Nebenwirkungen auslösen kann wie etwa Entzündungen im Unterleib, die zu Unfruchtbarkeit führen können.

Die Hormonspirale beziehungsweise das Intrauterinsystem ist im Grunde eine Mischform der mechanischen Verhütungsmittel und der hormonellen Verhütungsmittel. Hierbei handelt es sich ebenfalls um ein T-förmiges Verhütungsmittel aus Kunststoff, das allerdings ein Hormondepot am Schaft aufweist. Diese Spirale wird ebenfalls in die Gebärmutter eingesetzt, idealerweise am ersten Tag der Menstruation. Die Tragezeit ist abhängig vom Produkt und beträgt zwischen drei und fünf Jahren. In dieser Zeit wird regelmäßig das Hormon Levonorgestrel freigesetzt, das eine Schwangerschaft verhindern soll. Der Schutz vor einer Schwangerschaft besteht vom Tag des Einsetzens an. Die Hormonspirale kann während der Stillzeit verwendet werden. Dieses Verhütungsmittel ist allerdings nicht für alle Frauen geeignet, bei einigen Vorerkrankungen darf sie nicht eingesetzt werden. Zudem können Nebenwirkungen wie Unterleibsschmerzen und Depressionen eintreten, wenn die Hormonspirale eingesetzt ist.

Pearl Index:
Kupferspirale 0,3 – 0,8
Hormonspirale 0,16

3. Diaphragma und Kappen

Das Diaphragma beziehungsweise Pessar ist ein Verhütungsmittel, das sehr bekannt ist, für das Frauen jedoch ein wenig Übung und Geschick benötigen, wenn sie es verwenden wollen. Daher ist es angeraten, das Diaphragma zusammen mit einem Kondom zu benutzen. Beim Diaphragma handelt es sich um eine Membran aus elastischem Silikon, die sehr flexibel ist. Wird das Diaphragma auf korrekte Weise eingesetzt, liegt es ähnlich einer Kappe über dem Muttermund. Auf diese Weise blockiert das Diaphragma die Wanderung der Spermien. Das Spermizid, das zusammen mit diesem Verhütungsmittel verwendet werden soll, tötet die Spermien ab. Das Verhütungsmittel, das direkt vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt wird, ist in unterschiedlichen Größen erhältlich. Welche Größe geeignet ist, ermittelt der Frauenarzt. Nach dem letzten Geschlechtsverkehr sollte das Verhütungsmittel noch 8 bis 24 Stunden in der Vagina verbleiben, um sicherzugehen, dass auch wirklich alle Spermien abgetötet werden.

Die Portiokappe beziehungsweise das Okklusivpessar funktioniert ähnlich wie das Diaphragma und wird ebenfalls in Kombination mit einem Spermizid verwendet. Auch die Portiokappe ist in verschiedenen Größen erhältlich, wobei der Durchmesser dieses Verhütungsmittels geringer ist als beim Diaphragma. Die richtige Größe sollte ebenfalls vom Frauenarzt ermittelt werden. Wie das Diaphragma kann die Portiokappe je nach Ausführung maximal ein bis zwei Jahre verwendet werden, dann muß es ausgetauscht werden. Wie beim Diaphragma ist beim Einsetzen Fingerspitzengefühl notwendig und wird daher idealerweise zusammen mit einem Kondom verwendet, da es verrutschen kann.

Pearl Index:
Diaphragma 1 – 20
Portiokappe 6

4. Lea Conceptrativum

Beim Lea Contraceptivum und dem Femcap handelt es sich um mechanische Verhütungsmittel, welche mehrfach verwendet werden können. Der Lea Contraceptivum ist eine spezielle Verhütungskappe, die von der Frau vor dem Geschlechtsverkehr selbst in die Scheide eingeführt und vor dem Muttermund positioniert wird. Das Lea Conceptrativum orientiert sich allerdings nicht daran, wie groß der Muttermund ist, sondern wird in der Einheitsgröße von 55 Millimetern angeboten. Der Grund ist, daß sich das Verhütungsmittel hinten an der Wand der Scheide festsaugt. Auf diese Weise blockiert die Kappe die Wanderung der Spermien und hält sie aus der Gebärmutter heraus sowie aus den Eileitern, wo die Spermien einer Eizelle begegnen könnten.

Bei der Anwendung des Lea Conceptrativum gibt es einiges zu beachten. Das Verhütungsmittel darf bis zu 48 Stunden durchgängig getragen werden, nach dem erfolgten Geschlechtsverkehr muß es noch acht Stunden in der Scheide verbleiben, wobei es an der richtigen Stelle verbleiben muß und nicht verrutschen darf. Daraus ergibt sich, daß eine Frau, die das Lea Conceptrativum in den ersten 40 Stunden der erlaubten Tragezeit beliebig oft Sex haben kann, in den letzten 8 Stunden jedoch nicht mehr.

Pearl Index:
Lea Contraceptivums 2,2 – 2,9

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