Das 1×1 der Verhütungsmittel und –methoden Teil 1

Sex ist die schönste und beliebteste Nebensache der Welt. Lange Zeit war der Geschlechtsverkehr eng an den dadurch gezeugten Nachwuchs gekoppelt, wobei bereits seit vielen Generationen Verhütungsmittel bekannt sind, wie etwa Kondome, die aus Därmen von Tieren gefertigt wurden oder pflanzliche Verhütungsmittel, die allerdings mehr recht als schlecht wirkten. Mit dem Aufkommen moderner Verhütungsmethoden und der sexuellen Revolution wurden der Geschlechtsverkehr und die Zeugung von Kindern weitgehend entkoppelt, Sex soll heutzutage hauptsächlich Spaß machen. Hierfür sollten natürlich alle Verhütungsmittel bekannt sein. Wir haben das 1×1 der Verhütungsmittel sowie deren Wirksamkeit aufgeschlüsselt.

Generelle Informationen zu den Verhütungsmitteln

Bei den Verhütungsmethoden, die am weitesten verbreitet und am bekanntesten sind, handelt es sich um das Kondom, die Pille und den Coitus interruptus, wobei diese Methoden mehr oder weniger zuverlässig sind. Es gibt allerdings noch viel mehr Methoden zu verhüten, die in unterschiedlichen Klassifikationen eingeordnet sind. So können derzeit mit hormonellen oder mit mechanischen Methoden verhütet werden, welche eine Barriere für das Sperma bilden und von denen einige neben dem Schutz vor einer Schwangerschaft auch einen Schutz vor Geschlechtskrankheiten bieten. In letzter Zeit hat die Anzahl der Frauen zugenommen, die mit Methoden der natürlichen Familienplanung verhüten, weniger weit verbreitet sind chemische Verhütungsmethoden. Wer die Familienplanung abgeschlossen hat, kann endgültig verhüten und zu operativen Methoden zur Verhütung greifen.

Pearl Index

Natürlich hat jede Methode ihre besonderen Vorteile und Tücken, welche die Sicherheit einschränken. Wie sicher die jeweilige Methode ist, zeigt der sogenannte Pearl Index. Dieser besteht aus einer Zahl die besagt, wie viele von insgesamt 100 Frauen während eines Jahres trotz der jeweiligen Verhütungsmethode schwanger geworden sind. Der Pearl Index der Pille beispielsweise beträgt 0,1 bis 0,9, sie ist also sehr sicher. Beim Klassiker Kondom beträgt der Pearl Index 2 bis 12. Die starken Schwankungen ergeben sich aus den möglichen Fehlern, die bei der Anwendung von den Nutzern gemacht werden.

Hormonelle Verhütungsmethoden

1. Die Pille

Die Pille ist das Verhütungsmittel, das in Deutschland, Österreich und der Schweiz am weitesten verbreitet ist. Hierbei handelt es sich um hormonelle Präparate, die je nach Art der Pille ein Hormon wie Östrogen oder mehrere Hormone in Kombination wie Östrogen und Gestagen beinhalten. Diese Hormone verhindern nach der Einnahme einen Eisprung der Frau. In der klassischen Pille ist die Konzentration der Hormone gleichbleibend hoch, sie wird durchgängig genommen. Da viele Frauen allerdings starke hormonelle Schwankungen haben und die klassische Pille nicht vertragen, wurden Pillen entwickelt, deren Präparate schwankende Dosierungen des Wirkstoffes aufweisen und deren einzelne Pillen in mehreren Phasen und zu festgesetzten Zeitpunkten eingenommen werden müssen. Diese Art der Pillen gilt als sehr sicher.

Sehr empfindliche Frauen können auch zur Mikropille greifen, die einen geringeren Anteil an Östrogen aufweist. Sonderformen sind die Minipille und die östrogenfreie Pille. Die Minipille beinhaltet kein Östrogen, sondern ein Hormon namens Levonorgestrel, einen Wirkstoff, der zur Gruppe der Gestagene gehört. Dieses Hormon lässt den Eisprung zu, verändert jedoch die Schleimhaut der Gebärmutter, damit sich das befruchtete Ei nicht mehr einnisten kann. Diese Pille ist weniger sicher als die klassische Pille oder die Mehrphasenpillen. Die östrogenfreie Pille beinhaltet den Wirkstoff Desogestrel, welche ebenfalls die Schleimhaut der Gebärmutter beeinfluss. Darüber hinaus verhindert sie zusätzlich den Eisprung. Die östrogenfreie Pille wird zumeist während der Stillzeit verschrieben.

Pearl Index:
Pille 0,1 – 0,9
Einphasen- und Zweiphasenpille 0,2 – 0,7
Zwei- und Dreistufenpräparate 0,2 – 0,5
Mikropille 0,2 – 0,5
Minipille 0,8 – 3
Östrogen-freiePille 0,1 – 0,4

2. Die Spritzen und Implantate

Die Dreimonatsspritze beziehungsweise Depotspritze gilt als sehr sichere Verhütungsmethode, die allerdings einige Nebenwirkungen haben kann. Alle drei Wochen wird mit dieser Verhütungsmethode ein Wirkstoff gespritzt, der Gestagene in einer hohen Dosierung enthält und der den Eisprung acht bis 12 Wochen lang unterdrückt. Zudem wird die Produktion der Schleimhaut der Gebärmutter behindert. Die hohe hormonelle Dosis kann allerdings Depressionen auslösen, die Libido senken und Nervosität sowie weitere Nebenwirkungen auslösen. Bei 80 Prozent aller Frauen werden anfangs Dauerschmierblutungen ausgelöst. Zur Dreimonatsspritze sollten nur Frauen greifen, die auf mittelfristige Sicht keinen Kinderwunsch oder die Familienplanung bereits abgeschlossen haben, da der Zyklus nach dem Absetzen der Spritze nur sehr zögerlich wieder in Gang kommt, vor allem nach mehreren Dreimonatsspritzen hintereinander.

Das Hormonimplantat gilt als eine der sichersten Verhütungsmethoden. Hierbei wird ein Kunststoffstäbchen unter die Haut eingesetzt, welches den Wirkstoff Etonogestrel beinhaltet, welcher den Einsprung verhindert und die Schleimhaut der Gebärmutter verändert. Der Eingriff dauert nur kurze Zeit. Nach drei Jahren lässt die Wirkung des Implantats nach, so dass es entfernt oder ausgetauscht werden muss. Der Vorteil gegenüber der Dreimonatsspritze ist, dass sofort nach der Entnahme des Implantats wieder eine Schwangerschaft möglich ist. Diese Methode zur Verhütung ist auch während der Stillzeit geeignet. Allerdings können Nebenwirkungen eintreten wie etwa eine Veränderung der Stimmung und Schmierblutungen.

Pearl Index:
Depotspritze 0,3 – 0,88
Hormonimplantat 0 – 0,08

3. Verhütungsringe und Pflaster
Beim Verhütungs- beziehungsweise Vaginalring handelt es sich um einen kleinen Ring aus Kunststoff, der eine gute Alternative zu den weiteren hormonellen Verhütungsmitteln wie Pillen, Spritze oder Hormonstäbchen darstellt. Der Ring wird drei Wochen lang in die Scheide eingesetzt, wo er kontinuierlich die Hormone Östrogen und Gestagen freisetzt, welche den Eisprung verhindern und die Wanderung der Spermien blockieren. Der Ring ist einfach zu handhaben und kann von der Frau selbst eingesetzt werden. Dieses Verhütungsmittel wird in einer einheitlichen Größe angeboten, paßt sich allerdings der Vagina an, da er flexibel ist, und wird von der Beckenmuskulatur erhalten. Fällt der Ring dennoch heraus, sollte er mit klarem Wasser abgespült und zeitnah wieder eingesetzt werden.

Zu den hormonellen Verhütungsmitteln gehört auch das Verhütungspflaster, das eine Woche lang auf die Haut aufgeklebt wird und dessen Wirkstoffe Östrogen und Gestagen über die Haut zugeführt werden. Die Wirkung dieses Verhütungsmittels kann mit der Wirkung der Einphasenpille verglichen werden, das Pflaster verhindert den Eisprung sowie die Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter. Im Grunde können alle Frauen auf diese zuverlässige Methode zur Verhütung zurückgreifen, einzig wenn das Körpergewicht zu hoch ist, kann das Pflaster versagen. Besonders geeignet ist diese Verhütung allerdings für Frauen, die aus irgendeinem Grund die Pille zu den festgesetzten Zeitpunkten nicht einnehmen können. Ein weiterer Vorteil ist, daß das Pflaster sehr schonend wirkt.

Pearl Index:
Verhütungsring 0,4 – 0,65
Verhütungspflaster 0,7 – 0,9

4. Viagra

Dieser Punkt wird für viele nun überraschend sein. Mit dem Potenzmittel Viagra ist Sex für Männer mit einer erektilen Dysfunktion zwar wieder möglich, doch eine Schwangerschaft kann damit vermieden werden, da es die Zeugungsfähigkeit des Mannes senkt. Der Grund ist, dass der Wirkstoff des Potenzmittels die chemischen Prozesse stört, die in den Kopfkappen der Spermien ablaufen. Rund 80 Prozent der Spermien sind von diesem Effekt betroffen. Dies haben Forscher der Queen‘s University in Dublin herausgefunden. Und diese Kopfkappen sind grundlegend wichtig bei der Zeugung, denn damit durchbrechen die Spermien die Wand der Eizelle, um in das Ei hineinzugelangen und es zu befruchten.
Mit der Störung der chemischen Prozesse in den Kopfkappen der Spermien wird diesen vorgegaukelt, dass sie bereits in die Eizelle eingedrungen sind. Stattdessen schwimmen sie weit von der Eizelle entfernt herum. Der Pearl Index von Viagra ist bislang nicht bekannt, doch als einzige Verhütungsmethode ist das Potenzmittel sicher nicht geeignet, da rund 20 Prozent der Spermien intakt bleiben. Wird Viagra hingegen der Frau verabreicht, wirkt das Potenzmittel unterstützend bei einer geplanten Schwangerschaft.

Pearl Index: Bislang nicht bekannt

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